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Farbenhören - ganz normal?

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Hier erklären wir Ihnen die Begrifflichkeiten der Esoterik - von A wie Aberglaube bis zu Z wie Zukunft

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Foto: Wichudapa / shutterstock

Farbenhören

Unsere Umwelt nehmen wir durch unsere Sinne wahr. Diese jedoch werden von Person zu Person unterschiedlich aufgenommen und gespürt. Bei den einen sind die Sinne verknüpft: Diese Menschen können Zahlen schmecken oder Farben hören. Farbenhören, auch Synästhesie genannt, beschreibt die Kopplung zweier Sinneswahrnehmungen, welche normalerweise individuell voneinander verarbeitet werden. Personen mit Synästhesie sind ganz normal, der einzige Unterschied, welcher hier besteht, ist, dass sie, sobald sie etwas sehen, riechen, schmecken oder hören, auch gleichzeitig noch eine andere, gekoppelte Sinneserfahrung erleben. Es ist bis heute noch nicht bekannt, wie dieses wunderbare Phänomen entsteht. Allerdings ist bekannt, dass diese Fähigkeit bereits seit mehr als 130 Jahren existiert.

Farbenhören - ganz normal?

Im Jahr 1866 wurde der Begriff Synästhesie zum ersten Mal von dem Neuropsychologen Alfred Vupian verwendet. Der Begriff Synästhesie setzt sich zusammen aus den griechischen Worten "Syn" - bedeutet in der Übersetzung so viel wie "zusammen" und "aisthesie" - welches so viel wie "Empfindung" bedeutet.

Unterhalten sich zwei Synästhetiker darüber, wie sich die jeweiligen Farben für sie anhören, so werden diese schnell große Unterschiede oder aber sogar gar keine Gemeinsamkeiten feststellen. Im synästhetischen System gibt es keine Einheitlichkeit, selbst wenn dieselbe Art vorliegt. Es gibt neben Farbenhören auch noch weitere Arten, unter anderem Zahlenschmecken und Tönesehen. Die einen Synästhetiker visualisieren ihre Emotionen, andere wiederum nehmen Wochentage oder Zahlen in verschiedenen Farben wahr.

Wie fühlt es sich an, Synästhetiker zu sein?

Eine aus Hamburg stammende Musikerin Namens Maria L. behauptete Emotionen sehen zu können. Sie erläuterte, dass sie Emotionen immer im Bezug auf Personen wahrnehme. Zum Beispiel meinte sie, dass Sie Gefühle wie auch Erinnerungen einer Person in Form einer Wolke über ihnen schweben sehe.

Diese Wolke kann sogar je nach Stärke der Gefühle oder Erinnerungen den ganzen Raum einnehmen. Die Gefühlswolke sieht Maria wie eine Art Sinnbild für die Aura oder Präsenz einer Person. Ändert sich die Gefühlslage, so nimmt sie natürlich auch die Person anders wahr.

Maria berichtete, dass sie anfangs gar nicht bemerkte, dass ihre Wahrnehmungen sich von denen ihrer Klassenkameraden unterschieden haben. Sie stellte erst im Alter von 20 Jahren fest, dass sie Synästhetiker ist. Sie versuchte, um nicht als andere wahrgenommen zu werden, ihre Fähigkeiten zu unterdrücken, bis sie einst über das Phänomen nachlas und dieses auch dann zuließ. Sie kann, seit sie ihre Synästhesie angenommen hat, nicht nur Gefühle sehen, sondern nimmt auch Geräusche, Musik sowie Klänge als Form-Farb-Bild wahr.

Werden wir eigentlich alle als Synästhetiker geboren?

Um das Phänomen der Synästhesie zu erklären, basieren unzählige verschiedene Theorien. Eine von dessen besagt, dass alle Menschen mit dieser Fähigkeit geboren werden, diese aber im Laufe ihres Lebens verlernt wird. Die Neurophysiologin Maria-Luise Schreiter von dem Universitätsklinikum Dresden erklärte einst, dass Neugeborene und Babys bis zu einem halben Jahr ihre Sinne nicht voneinander trennen können und erst lernen müssen, Farben von Stimmen und Formen zu unterscheiden.

Von dem amerikanischen Neurologen R. Rytowic stammt die Theorie, dass wir Menschen mit Nervenverbindungen auf die Welt kommen, welche eigentlich separate Hirnareale miteinander verknüpft. Nach seiner Erklärung ist am Anfang das Hörzentrum mit einem Teil des Sehzentrums verbunden und erst später beginnen sich diese ungewöhnlichen Verbindungen bei Nicht-Synästhetikern zu lösen.

Bei der Musikerin aus Hamburg lösten sich diese Verbindungen nie. Seitdem Sie sich so akzeptiert hat, wie sie ist, hat sie wieder Freude in ihrem Leben gefunden und zelebriert ihre Andersartigkeit. Die Synästhesie ist für sie ein Ausdruck für Intelligenz und Kreativität. Einige berühmte Persönlichkeiten, unter anderem Lady Gaga, Chris Martin, aber auch Komponist Franz Liszt und der Physiker Nikola Tesla waren bekannte Synästhetiker und untermauern diese Annahme.

Eine Frage der Gene

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, aufgrund der Häufigkeit in Familien, dass die Synästhesie vererbt wird. Mit der Synästhesie werden 37 Gene in Verbindung gebracht. Sechs dieser Gene halten Experten für besonders spannend.

Diese besagten Gene stellen ab der frühen Kindheit eine wichtige Funktion für den Körper dar und sorgen unter anderem dafür, dass sich die Nervenzellen weiterbilden und ausrichten. Als Axogenese wird dieser Vorgang auch beschrieben und er beschreibt die Vernetzung der Nervenzellen mit Zellen der Hirnregionen. Diese Gene unterscheiden sich jedoch von Mensch zu Mensch. Die Länge der Nervenfasern weisen verschiedene Verästelungen wie auch Verbindungen auf, dadurch hat wohl kein Synästhetiker dieselbe Wahrnehmung wie der andere.

Eine Revolution der Sinne?

Laut einer britischen Studie sind Synästhesien keine Seltenheit. Es kreuzen sich bei rund 4, 4% der dortigen Bevölkerung mindestens zwei Sinne gleichzeitig.

Wir alle nehmen die Welt über unsere Sinne wahr: Sie sind Kanäle, die Linse, durch welche wir unser Leben wie auch unsere Umwelt wahrnehmen. Durch erweiterte Sinne können wir auch unser Wissen erweitern und nicht nur kreativer und innovativer Leben. Durch die vernetzten Sinneswahrnehmungen werden zudem das Einfühlvermögen wie auch die Sensibilität gestärkt und gefördert.



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Schamane Stefan (CH)
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